Die Geschichte Huelvas

   Haben Sie's gewusst...?

Golf und Fussball wurde in Spanien zum ersten Mal in Huelva gespielt.
Die meisten der Seeleute, die mit Christoph Kolumbus die Reise antraten, stammten aus den Orten Moguer, Palos de la Frontera und San Juan del Puerto.

Huelva gehört nicht zu den bekanntesten Provinzen Spaniens, daran ist nicht zu deuteln. Man erinnert sich vielleicht noch daran, dass von hier aus Kolumbus mit seinen Karavellen losgesegelt ist, aber das war's auch dann...

Trotzdem erfreut sich Huelva (Andalusien) einer langen und sehr interessanten Geschichte. Es gibt Überreste menschlicher Ansiedlungen die bis in die Jungsteinzeit und noch weiter zurück reicht. Neueste Funde haben ergeben, dass diese über 5.000 Jahre alte Ansiedlung zu den ältesten Siedlungen der westlichen Welt zählt. Dies ergab sich aus der archäologischen Forschung im Seminario-Gebiet der Provinzhauptstadt, wo entdeckt wurde, dass das Gebiet eine seit dem Ende des vierten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung dauerhaft von verschiedenen Kulturen bewohnten Siedlung beherbergt.

Die Geschichte der südspanischen Provinz war immer an ihren Mineralreichtum gekoppelt. Schon in der Frühzeit hatten die Mineralien eine solche Bedeutung, dass sie ganze Zeitalter bezeichnen: Eisenzeit, Bronzezeit, Steinzeit … Wie hätte Huelva da übersehen werden können? Sein Kupferbergbau erlaubte die Ansiedlung und rasche Entwicklung von Menschen in der Region. Alle diese Völker haben ihre Spuren in Form zahlreicher und eindrucksvoller Dolmen hinterlassen, die die Provinz auszeichnen.

Der Höhepunkt dieser Entwicklung kam mit dem griechischen Königreich Tartessos, eine der mystischsten, faszinierendsten und geheimnisumwobensten Kulturen des alten Europas. Es gibt zahlreiche Hinweise auf diese seltsame Kultur, von der Bibel bis zu den griechischen Klassikern wie Strabon, der von einem reichen und mächtigen Volk berichtet, das häufig mit dem versunkenen Atlantis in Verbindung gebracht wurde. In jüngster Zeit wurde sogar darauf hingewiesen, dass ein Gebiet nahe Hinojos mit der Beschreibung, die Plato von einer seiner Städte gegeben hat, übereinstimmt. Der bekannteste König der Tartessier war Arganthonio, der zudem überwältigend reich war und sich eines unglaublich langen Lebens erfreute.

Tartessos verschwand auf geheimnisvolle Weise und die Bewohner der Provinz begannen, ihre eigene und besondere Kultur mit der aus Rom eindringenden zu verschmelzen. Huelva und seine küstennahen Ortschaften wurden im gesamten Römischen Reich berühmt dank des "Garum", einer Delikatesse jener Zeit, die aus Fischeingeweiden zubereitet wurde.

Mittelalter

Nach dem Fall des Römischen Reiches kam die gesamte Region in den Mittelpunkt des Interesses der Westgoten und Byzantiner, die sich um die Vorherrschaft über Huelva stritten, bis zur Ankunft der Araber im 8. Jahrhundert, die fast die gesamte Iberische Halbinsel in einem Streich eroberten. Erst im 13. Jahrhundert wurde Huelva von den Christen zurückerobert: 1262 befand sich bereits die gesamte Provinz unter der Herrschaft des Königs Alfons X des Weisen. Übrigens wurde bei der Belagerung der Stadt Niebla zum ersten Mal im Westen das Schießpulver vom Militär eingesetzt.

Einige Jahre war es ruhig geworden um Huelva bis im 15. Jahrhundert ein Mann namens Christopher Kolumbus mit einigen seltsamen Theorien über Möglichkeiten, westwärts segelnd nach Cipango (Japan) zu gelangen, im Kloster La Rábida ankam, wo doch allseits bekannt war, dass es in der Richtung gar nichts gab. Jedenfalls konnte er den Mönch Antonio de Marchena überzeugen, der sich dafür einsetzte, dass Kolumbus den Katholischen Königen höchstselbst sein Projekt erläutern konnte. Nach einigem Hin und Her erreichte Kolumbus die Finanzierung seines Abenteuers. Er kam aber nicht bis Asien, weil ihm Amerika vor dem Bug lag. Als Ergebnis dieser Entdeckung behalten viele Ortschaften Huelvas bis heute ein kolumbushaftes Ambiente, das uns in ein Zeitalter der Segel und Abenteuer versetzt.

In den folgenden Jahrhunderten stand Huelva im Schatten der Bedeutung Sevillas und anderer Gebiete der spanischen Geografie. Dieses Schattendasein besteht sogar heute noch, nicht nur in Europa, sondern in weiten Teilen Spaniens.

Gar nicht unbekannt war Huelva allerdings für die Piraten, die die Küsten und Gewässer in ganz Europa in Angst und Schrecken versetzten, unter ihnen besonders die Berber, die sich im Süden Spaniens tummelten. Im 16. Jahrhundert wurde daher ein System von Wachttürmen ("Almenaras") entlang des gesamten Gestades Huelvas errichtet. Heute noch finden wir Reste dieser Befestigungen, darunter einige gut erhaltene: die Torre Almenara in Punta Umbría, die Torre del Catalán in El Terrón, in Lepe oder die Torre de la Higuera, die dem Strand von Matalascañas sein markantes Profil verleiht.

Briten in Huelva

Im 19. Jahrhundert etablierten sich verschiedene britische Kompagnien in Huelva, um neue Bergbaubetriebe zu eröffnen, insbesondere in den Binnenbezirken und in der Nähe der Berge, und um die seit der Römerzeit betriebenen auszubeuten. Der Einfluss dieser britischen Präsenz ist noch heute in der Architektur vieler Gebäude, an den Familiennamen, der Haar- und Augenfarbe vieler Einwohner von Huelva zu erkennen. Und sie brachten natürlich einen neuen Sport in unser Land, den Fußball. Der Recreativo de Huelva ist nicht umsonst als der Dekan des spanischen Fußballs bekannt.

Während der bewegten Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte Huelva kaum eine Bedeutung, wenngleich es im 2. Weltkrieg eine bedeutende Rolle in einer beeindruckenden Spionage- und Gegenspionagehandlung zwischen Deutschen und Alliierten spielte (verfilmt als "The Man Who Never Was"), dessen Grundelement in dem Auffinden eines britischen Leichnams am Strand von Punta Umbría besteht.

Später, nach dem Aufschwung der 60er und 70er Jahre startete Huelva eine neue Entwicklungsphase auf der Grundlage bestimmter Produkte aus Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei (Erdbeeren, Gambas und Schinken - das Dreigestirn Huelvas) und natürlich des Tourismus, gefördert durch die Privilegien seiner natürlichen Ressourcen und durch den Umstand, dass man dem wilden Bauwahn der vergangenen Jahrzehnte entgangen war.